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Medizintourismus boomt weiter

 

Er ist ein Wirtschaftsfaktor, der in einigen deutschen Städten insbesondere im Sommer mittlerweile eine lange Tradition hat, der weiteren überregionalen Öffentlichkeit aber nach wie vor nur wenig bewusst ist: der „Medizintourismus“ aus arabischen Ländern.

Dabei kommen überwiegend wohlhabende Menschen aus der muslimischen Welt, oft mit ihren Familien, für einige Zeit nach Deutschland, zumeist im Sommer, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Von diesen zahlungskräftigen Gästen profitiert nicht nur die Gesundheits- und Hotelbranche, sondern auch der Einzelhandel. Geht man etwa im Sommer durch die Münchener Innenstadt, begegnen einem auf Schritt und tritt arabisch-muslimisch gekleidete Personen, oft als Familien oder in Gruppen von mehreren Frauen.

In Bonn, neben München und Hamburg einer der wichtigsten Zielorte dieser Patienten, kümmern sich im Auftrag der Stadt seit zwei Jahren die „Bonn Medical Partners“ um die internationale Vermarktung dieses Wirtschaftsbereichs und um die Betreuung der „Medizintouristen“ vor Ort. Khaled Guizani, in Köln aufgewachsen und studierter Betriebswirt, spielt mit seinen arabischen Sprachkenntnissen und seinen Kenntnissen von Religion und Sitten der arabischen Gastpatienten eine wichtige Rolle bei den Bonn Medical Partners, einem Zusammenschluss Bonner Krankenhäuser, wo er als Projektleiter tätig ist. „Unser Ziel ist es, den Gesundheitsstandort Bonn im Ausland zu vermarkten. Wir wollen den Gesundheitsbereich in Bonn stärken und intern eine entsprechende Infrastruktur aufbauen, um für ausländische Patienten und insbesondere arabische Patienten eine bestmögliche Behandlung zu ermöglichen“, sagt Guizani. „Wir möchten dem Gast, sobald er hier ist, einen umfassenden Service anbieten, den er in Anspruch nehmen kann, von einem Tourismus-Guide über Halal-Essen, Informationen zu Gebetsräumen und so weiter, also alle Informationen, die er braucht.

Wir sind gewissermaßen eine Service-Zentrale für die arabischen Gäste, wir kümmern uns um sie und helfen, falls Probleme auftreten sollten.“ Medizintourismus aus arabischen Ländern ist kein neues Phänomen. Der beliebteste Zielort in Deutschland, München, ist bereits seit den 70er Jahren dabei. Jährlich kämen, So Guizani, an die 70.000 ausländische Patienten nach Deutschland, wobei dies auch nur Schätzungen seien. Die führenden Städte in diesem Bereich seien München, Hamburg, Berlin als Hauptstadt, zumal sich dort auch die Botschaften befinden, und im Westen das Rheinland von Düsseldorf bis Bonn. Bonn verfügt über eine der höchsten Dichten von Kliniken in Deutschland.

Die meisten arabischen Patienten kommen aus den Emiraten, aus Saudi-Arabien, Katar, Oman, daneben auch aus Libyen und Ägypten; aber auch aus nichtarabischen Ländern wie Aserbaidschan oder Kasachstan, die sich derzeit in einem ökonomischen Aufstieg befinden. In Europa ist Deutschland das bedeutendste Zielland. Die USA hätten an Bedeutung verloren, da für Araber die Einreise in die USA erschwert worden sei und man sich „als Araber dort nicht mehr so wohl fühlt“, wie Guizani erklärt. „Am wichtigsten ist für den einzelnen Patienten aber immer noch, dass er eine gute medizinische Behandlung bekommt und dass das Drumherum stimmt, das heißt dass er seine Religion ausüben kann, dass er Unterstützung bekommt, dass seine Botschaft oder ein Vertreter des Konsulats in der Nähe ist und dass der behandelnde Arzt eine gewisse Feinfühligkeit an den Tag legt“, sagt Guizani.

Nichtsdestotrotz fühlten viele langjährige Patienten sich mittlerweile auch hierzulande etwas anders „beäugt“ als in früheren Jahren. Die gesellschaftliche Stimmung gegenüber Islam und Muslimen bleibt auch den arabischen Patienten nicht verborgen. Im Vergleich zu anderen Städten sei Bonn doch insgesamt sehr gastfreundlich und tolerant, meint Guizani. Das liegt sicher auch an der langen Tradition als Bundeshauptstadt mit vielen Botschaften und Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt, und als Universitätsstadt. Zudem gibt es einen relativ hohen Anteil muslimischer Bevölkerung. Die arabischen Patienten wurden von den Bonn Medical Partners mit Fragebögen über ihre Zufriedenheit befragt. Auch wurde der erste Tourismus-Guide in arabischer Sprache für die Stadt Bonn erstellt.

Die Medizintouristen aus der arabischen Welt sind offenbar aber nicht nur daran interessiert, arabisches Essen zu bekommen oder in die Moscheen zu gehen, sondern interessieren sich durchaus auch für die deutsche Kultur, Geschichte und Sehenswürdigkeiten. „Man besucht zum Beispiel die Museen oder reist in andere Städte. Auch Beethoven ist durchaus ein bekannter Name in der arabischen Welt, und da Bonn eben die Beethovenstadt ist, interessieren sich viele auch speziell dafür und schauen sich zum Beispiel das Beethoven-Geburtshaus an. Dazu haben wir auch spezielle Programme für arabische Gäste.“ Trotz des schlechter gewordenen Klimas in Deutschland steigt die Zahl der Patienten aus dem arabischen Raum laut Guizani derzeit weiter an, auch bedingt durch den Einbruch in den USA und Großbritannien. „Deutschland ist im arabischen Raum sehr beliebt. Man arbeitet gerne mit Deutschen zusammen und hält sehr viel von deutschen Ärzten, und deswegen ist es ein Markt, der auch weiterhin boomen wird.“ Aber auch in den Ländern vor allem der arabischen Halbinsel tut sich einiges im Gesundheitsbereich. In den Emiraten entsteht derzeit die „Dubai Health City“. „Wir unterstützen das aber auch, knüpfen Kontakte seitens der Bonner Krankenhäuser, schicken Ärzte dorthin, führen Schulungen durch und unterstützen die Ärzte dort vor Ort.“ Im Sommer soll auch eine Delegation arabischer Ärzte nach Bonn kommen, um sich die hiesigen Krankenhäuser anzuschauen und Knowhow auszutauschen.

Trotzdem werde der Medizintourismus wohl nicht so schnell an Bedeutung verlieren, meint Guizani. Denn zwar verfügten die Kliniken in Saudi-Arabien oder den Emiraten mittlerweile oft über hervorragende technische Ausstattung auf höchstem Niveau, das ärztliche Knowhow aber, das in Ländern wie Deutschland in jahrzehntelanger Erfahrung erworben worden sei, könne dort so schnell nicht aufgebaut werden. Die Bonn Medical Partners engagierten sich daher auch in der Ausbildung und Fortbildung von Studenten und Ärzten aus dem arabischen Raum.


Quelle:islamische-zeitung.de

 

 

 

 

 

 

 

 


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